Kanton Tessin

Im Reich von König Rabadan

Karneval in Bellinzona vom 08. - 13. Februar 2018

Karneval in Bellinzona | © Ticino Turismo

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Bellinzona ist eine Karnevals-Hochburg. An der Fasnacht, die hier „Rabadan“ heisst, feiern über 150‘000 Menschen ausgelassen auf den Straßen.

Anführer des Riesenradaus ist Dante Pesciallo, der von der örtlichen Karnevalsgesellschaft zum König gewählt wurde. Am „Schmutzigen Donnerstag“ übergibt ihm der Stadtpräsident von Bellinzona den (symbolischen) Schlüssel zu den Stadttoren. Danach haben im Tessiner Hauptort fünf Tage lang die Narren das Sagen.

Am Freitag findet jeweils der Umzug der Kinder von Bellinzona und Umgebung statt. Am Samstag geben Guggenmusiken aus dem Tessin und der Deutschschweiz bis tief in die Nacht Konzerte. Höhepunkt des Rabadan ist der grosse Umzug vom Sonntag. Am so genannten Corteo nehmen rund fünfzig Wagen und Guggengruppen teil. Das Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz überträgt den Anlass live.

Feste Bestandteile des Rabadan, der heuer zum 148. Mal stattfindet, sind ferner Maskenwettbewerbe, Seilziehturniere, Strassentheater und ein Risotto-Essen. Für Speis und Trank ist in den zahlreichen Festzelten ausreichend gesorgt. Bis in die frühen Morgenstunden wird in der „Festhütte Bellinzona“ ausgelassen gefeiert.

Chiasso wird zur „Freien Republik“
Mächtig auf den Putz gehauen wird während der Fasnacht auch im Grenzort Chiasso. Dort regiert während den närrischen Tagen kein Monarch, sondern der „Premierminister der Freien Republik Nebiopoli“. Der „Carnevale Nebiopoli“ ist die wichtigste und grösste Fasnachtsveranstaltung im Sottoceneri, dem südlichen Kantonsteil.

Während der „republikanischen Woche“ verwandeln Maskengruppen und Guggenmusiken die Strassen von Chiassos Innenstadt in ein Vergnügungsviertel. Der Höhepunkt findet jeweils am Fasnachtsdienstag statt, also kurz vor der Rückkehr des Alltags: Am Nebiopoli-Umzug nehmen zahlreiche Wagen, Gruppen und Guggenmusiken teil.

Spurenelemente der religiösen Bedeutung des Karnevals – eine letzte Völlerei vor der Fastenzeit – findet man noch beim Risotto-Essen unter freiem Himmel, das auch in Chiasso nicht fehlen darf. Diese Tradition entstand im 19. Jahrhundert als Wohltätigkeitsgeste der Reichen an die Armen, die sich den damals teuren Reis nicht leisten konnten.

Ambrosianisches Nachspiel
Während die Fasnacht nach römischem Ritus am Aschermittwoch ein abruptes Ende findet, geht es anderswo an diesem Tag erst los. Denn in der Region Tre Valli (Leventina, Blenio-Tal, Biasca), der Capriasca (Tesserete) und in Brissago wird die ambrosianische Fasnacht gefeiert. Der Legende nach sollen sich diese Orte dem römischen Ritus widersetzt haben, um die vorösterliche, vierzigtägige Fastenzeit (die am Aschermittwoch beginnt) zu verkürzen…

Fakt ist, dass diese Gebiete im Mittelalter zum Bistum Mailand gehörten, während die übrigen Regionen des heutigen Tessins dem Bistum Como unterstanden. Obwohl das Tessin seit 1888 eine eigene Diözese ist, erleben die alten Bistumsgrenzen während der Narrenzeit eine Renaissance.

So wird der Tessiner Karneval in einem Kantonsteil nach ambrosianischem und im anderen nach römischem Ritus gefeiert. Früher sorgte diese Konstellation oft für Zündstoff. Dorfpfarrer, die dem Bistum Como unterstanden, sprachen von einem „Missbrauch“ und verboten ihren Schäfchen ausdrücklich, während des Karnevals einen Fuss auf ambrosianisches Terrain zu setzen….